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Die Berlin Fashion Week Herbst/Winter 26/27 im Recap

Die Berlin Fashion Week gilt als Plattform für progressive Mode, experimentelle Präsentationsformen und gesellschaftlich relevante Themen. Die Herbst/Winter 2026/27 Ausgabe fand vom 30. Januar bis 2. Februar 2026 in der deutschen Hauptstadt statt und vereinte etablierte deutsche Labels, internationale Designer:innen sowie aufstrebende Talente aus dem Berlin-Contemporary-Umfeld. Zwischen klassischen Runway-Shows, konzeptuellen Inszenierungen und diskursiven Formaten spiegelte die Woche Berlins Rolle als kreatives Labor wider. Wir zeigen unsere Highlights der vergangenen Berlin Fashion Week Herbst/Winter 2026/27.

Text: Jessica Haberl / Fotos: Labels, Franziska Krug / Getty Images for Marc Cain, Andreas Hofrichter, James Cochrane for BFW, Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke, Lennart Sydney Kofi, Dominik Ehrengruber, Marcus Hartelt

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Foto: Franziska Krug / Getty Images for Marc Cain

Marc Cain: Echo of Now

  • Fotos: Marc Cain Fotos: Marc Cain
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Im Rahmen der Berlin Fashion Week Herbst/Winter 2026/27 präsentierte Marc Cain seine neue Kollektion im Großen Aufnahmesaal des Funkhaus Berlin – einem Ort, der für seine außergewöhnliche Akustik bekannt ist und damit den idealen Rahmen für das Showmotto „Echo of Now“ bot. In tiefes Blau getaucht und von leuchtenden LED-Stäben durchzogen, die an Equalizer erinnerten, entstand eine Inszenierung, in der Mode und Klang untrennbar miteinander verbunden waren. Das Gesangs-Trio MVX verstärkte diesen Dialog live, während die Models den mehr als 70 Meter langen Catwalk durch den Saal beschritten.

Die Kollektion übersetzte die pulsierende Atmosphäre der Show in ein selbstbewusstes, lebensfrohes Dopamin-Dressing. Ein maximalistisches Farbspektrum aus Orange, Aubergine, Pink, Limoncello und Grasgrün traf auf edles Grau und zartes Rosa. Stilistisch bewegten sich die Looks zwischen Referenzen an die 1970er-Jahre, Disco-Glamour und entspanntem Boho-Chic. Overaccessorizing wurde gezielt als Statement eingesetzt: Pillbox-Hüte im Jackie-O-Stil, Krawatten, Foulards, Broschen, Schluppen, Sonnenbrillen und lange Handschuhe verdichteten die Silhouetten. Fake Fur, Animal-Muster, Paisley-Prints und markante Texturen fügten sich zu einem opulenten Gesamtbild zusammen. Passend zur glamourösen Show saßen unter anderem Model-Ikone Jerry Hall gemeinsam mit ihrer Tochter Elizabeth Jagger, Hollywood-Schauspielerin Kelly Rutherford, Moderatorin Sylvie Meis sowie Schauspielerinnen wie Bettina Zimmermann, Anja Kling und Dennenesch Zoudé in den ersten Reihen.


Rebekka Ruetz: LILITH

  • Rebekka Ruetz / Foto: Marcus Hartelt Rebekka Ruetz / Foto: Marcus Hartelt
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Lilith ist ein altorientalischer weiblicher Dämon sumerischer Herkunft und die Namensgebern der Herbst/Winter-Kollektion 2026/27 von Rebekka Ruétz. Sie übersetzt die mythologische Figur als Sinnbild weiblicher Ganzheit in die Gegenwart. Die Entwürfe entstehen prozessual und entwickeln ihre Silhouetten im direkten Dialog mit dem Körper. Skulpturale Korsagen treffen auf fließende Drapierungen, feste Materialien auf Bewegung. Charakteristisch sind Applikationen aus echtem Moos, das als lebendiges Material für Vergänglichkeit, Veränderung und Erneuerung steht und bewusst die Idee des perfekten Kleidungsstücks bricht. Eine reduzierte, dennoch intensive Farbwelt aus Rabenschwarz, tiefen Rottönen und kalkigem Weiß begleitet die Silhouetten. Upcycling-, Recycling- und Deadstockstoffe, Bio-Denim, Naturlatex und traditioneller Loden unterstreichen den nachhaltigen Anspruch der Kollektion.


Haderlump: VARIUS

  • Haderlump / Foto: James Cochrane Haderlump / Foto: James Cochrane
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  • Haderlump / Foto: James Cochrane Haderlump / Foto: James Cochrane
  • Haderlump / Foto: James Cochrane Haderlump / Foto: James Cochrane
  • Haderlump / Foto: James Cochrane Haderlump / Foto: James Cochrane


Mit VARIUS formuliert HADERLUMP für Herbst/Winter 2026 eine Kollektion, die Vielschichtigkeit und Wandelbarkeit ins Zentrum stellt. Das Vermächtnis Marlene Dietrichs dient dabei als inhaltlicher Referenzrahmen und prägt eine Balance aus femininer Eleganz und maskuliner Strenge. Fließende Roben stehen neben präzise geschnittenen Marlene-Hosen, während Spitze in Kombination mit Leder, Denim und schwerer Wolle eingesetzt wird. Die Silhouetten zeigen sich kontrolliert und klar, die Schnitte klassischer als in früheren Saisons, ohne an Ausdruckskraft zu verlieren. Eine reduzierte Farbpalette aus Grau, Creme, Braun und Schwarz wird durch gezielte Akzente in Rot und Blau belebt. 


OBS: …auf uns ist Verlass!

  • OBS / Foto: Dominik Ehrengruber OBS / Foto: Dominik Ehrengruber
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  • OBS / Foto: Dominik Ehrengruber OBS / Foto: Dominik Ehrengruber
  • OBS / Foto: Dominik Ehrengruber OBS / Foto: Dominik Ehrengruber
  • OBS / Foto: Dominik Ehrengruber OBS / Foto: Dominik Ehrengruber
  • OBS / Foto: Dominik Ehrengruber OBS / Foto: Dominik Ehrengruber


Mit der Herbst/Winter-Kollektion 2026 „…auf uns ist Verlass!“ positioniert sich die Augsburger Modemarke OBS bewusst jenseits modischer Opulenz. Die Entwürfe entstehen aus einem radikal funktionalen Ansatz heraus und verstehen Kleidung als verlässliches Werkzeug im Alltag. Inspiriert vom Arbeitsraum von Object Based Studio in Augsburg und der Idee des kontinuierlichen Übergangs zwischen Werkstatt, Atelier und Leben, übersetzt die Kollektion das Prinzip des Schaffens in klare, reduzierte Silhouetten. Ornament wird konsequent vermieden, stattdessen prägen hochwertige Materialien wie österreichischer Walkloden, japanischer Baumwolltwill, pflanzlich gegerbtes Leder und handbemalte Stoffe das Bild. Accessoires wie die Giebel-Tasche verdichten diesen Ansatz weiter und verweisen auf architektonische Denkweisen.


MARKE: The Owl

  • MARKE / Foto: Andreas Hofrichter MARKE / Foto: Andreas Hofrichter
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  • MARKE / Foto: Andreas Hofrichter MARKE / Foto: Andreas Hofrichter
  • MARKE / Foto: Andreas Hofrichter MARKE / Foto: Andreas Hofrichter
  • MARKE / Foto: Andreas Hofrichter MARKE / Foto: Andreas Hofrichter


Der Ausgangspunkt der Herbst/Winter 2026/27 Kollektion der Kölner Unisex-Brand MARKE ist ein Gefühl von Überforderung angesichts permanenter Informationsflüsse, in denen Wahrheit und Verzerrung zunehmend verschwimmen. Diese Spannung übersetzt sich in kontrollierte, schlanker geführte Silhouetten, die historische Referenzen miteinander verknüpfen: frühe Elemente klassischer Herrenmode stehen Motiven spätrokokohafter Dekadenz gegenüber. Tüllschichten, Schleier und getrocknete Blumen erscheinen als Sinnbilder vergänglicher Schönheit, während eine nüchterne Farbpalette aus Grau, Schwarz und Eierschale, akzentuiert durch Merlot und Petrol, die Ernsthaftigkeit der Kollektion unterstreicht. Hochwertige Materialien wie australische Merinowolle, Kaschmir, Seidenduchesse und strukturierte Baumwollen verleihen den Looks Substanz. Die Kollektion unter dem Titel „The Owl“ ist als leiser Appell zum Innehalten, Hinterfragen und bewussten Umgang mit Wissen und Gegenwart gedacht. 


Orange Culture: Backyards of Memory 

  • Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi
  • Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi
  • Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi
  • Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi
  • Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi
  • Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi Orange Culture / Foto: Lennart Sydney Kofi


Adebayo Okelawal öffnet mit seiner Herbst/Winter Kollektion Backyards of Memory für seine in Lagos gegründete Brand Orange Culture einen zutiefst persönlichen Raum an Erinnerungen. Die Kollektion ist geprägt von der Rückkehr zu einem Gefühl von Geborgenheit und Leichtigkeit. Inspiriert von den Hinterhöfen der Kindheit in Nigeria, Orten des Spiels, des Zusammenhalts und des Alltagslebens übersetzt der Designer dieses Gefühl der Nostalgie in weiche Silhouetten, fließende Konstruktionen und eine von Licht, Erde und Zeit geprägte Farbwelt. Die Kollektion zelebriert Kollaboration mit Kunsthandwerkern aus Lagos, Accra und Berlin: Unter anderem entstehen die Handtaschen gemeinsam mit dem Label Kisara in Anlehnung an das Rhythmusinstrument Shekere, die Prints wurden mit dem Künstler Paolo Sisiano entwickelt.


Danny Reinke: NUMINOUS

  • Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke
  • Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke
  • Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke
  • Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke
  • Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke
  • Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke Foto: Sebastian Reuter / Getty Images for Danny Reinke


Für seine Herbst/Winter 2026 Show NUMINOUS wählt Danny Reinke die Kulisse eines Waldes. Die Inszenierung wurde begleitet von einer Livemusik-Performance von Bionic and the Wires. Das Künstlerkollektiv setzt Pflanzen als klangerzeugende Elemente ein – so wird der Wald zum musikalischen Akteur. Die Kollektion selbst legt den Fokus auf Materialität und handwerkliche Präzision. Großzügige Volumen und klare Linien prägen Mäntel, Kleider und Ensembles aus Fake Fur und Schurwolle, während Tüll und transparente Stoffe für Leichtigkeit sorgen. Selbst gewebte Textilien sowie Recycling- und Deadstock-Materialien unterstreichen den handwerklich geprägten Charakter der Kollektion.


Laura Gerte: Deviant Defiant

  • Foto: Laura Gerte Foto: Laura Gerte
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  • Foto: Laura Gerte Foto: Laura Gerte
  • Foto: Laura Gerte Foto: Laura Gerte
  • Foto: Laura Gerte Foto: Laura Gerte


Mit Deviant Defiant präsentierte Laura Gerte zur Berlin Fashion Week Herbst/Winter 2026 eine Show, die bewusst mit gängigen Narrativen weiblicher Rollenbilder bricht. In einem ehemaligen Kaufhaus inszeniert setzte die Präsentation auf eine reduzierte, konzentrierte Dramaturgie, eingeleitet von einem gesprochenen Monolog, der die inhaltliche Ebene der Kollektion eröffnete. Die Entwürfe verhandeln die Figur der weiblichen Antagonistin als Ausdruck von Selbstbestimmung und Widerstand: schmale, verlängerte Silhouetten aus Wolle, Jersey, Leder, Satin und Mesh werden durch unerwartete Volumen, Verschlüsse und Materialspannungen gebrochen. Charakteristisch ist der nachhaltige Ansatz des Labels – alle Looks entstehen aus recycelten, wiederverwerteten oder dekontextualisierten Materialien. Ein markanter Akzent der Kollektion ist die Zusammenarbeit mit Dr. Martens, deren ikonische Schuhe in Kleidungsstücke und Accessoires transformiert wurden und der Kollektion eine subversive, funktionale Schärfe verleihen.


William Fan: Ring the Bell

  • William Fan / Foto: James Cochrane for BFW William Fan / Foto: James Cochrane for BFW
  • William Fan / Foto: James Cochrane for BFW William Fan / Foto: James Cochrane for BFW
  • William Fan / Foto: James Cochrane for BFW William Fan / Foto: James Cochrane for BFW
  • William Fan / Foto: James Cochrane for BFW William Fan / Foto: James Cochrane for BFW
  • William Fan / Foto: James Cochrane for BFW William Fan / Foto: James Cochrane for BFW
  • William Fan / Foto: James Cochrane for BFW William Fan / Foto: James Cochrane for BFW


Nach dem zehnjährigen Jubiläum im vergangenen Jahr vertieft William Fan das bereits Geschriebene: Die Kollektion „Ring the Bell“ steht für Reflexion, Verfeinerung und Kontinuität. Das Berliner Label zelebriert damit das Denken in Räumen, Begegnungen und Momenten der Entdeckung. In den Silhouetten entsteht ein spannungsreicher Dialog zwischen Körpernähe und Volumen, zwischen klarer Struktur und fließender Bewegung. Samt, Cord und Brokat treffen auf technische Stoffe, gewachste Oberflächen und erstmals auch irisierende Materialien, die visuell wie haptisch mit Wahrnehmung spielen. Plissee zieht sich als prägendes Motiv durch Röcke, Longsleeves und Westen und verstärkt das Gefühl von Wandelbarkeit. Modulare Details wie herausnehmbare Innenjacken oder neu interpretierbare Faux-Fur-Kragen verleihen den Entwürfen zusätzliche Flexibilität.


Kasia Kucharska: Girlhood

  • Kasia Kucharska / Foto: Andreas Hofrichter Kasia Kucharska / Foto: Andreas Hofrichter
  • Kasia Kucharska / Foto: Andreas Hofrichter Kasia Kucharska / Foto: Andreas Hofrichter
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  • Kasia Kucharska / Foto: Andreas Hofrichter Kasia Kucharska / Foto: Andreas Hofrichter
  • Kasia Kucharska / Foto: Andreas Hofrichter Kasia Kucharska / Foto: Andreas Hofrichter
  • Kasia Kucharska / Foto: Andreas Hofrichter Kasia Kucharska / Foto: Andreas Hofrichter

Für Fall/Winter 2026 entwickelt Kasia Kucharska eine Kollektion, die aus dem Alltag und den Erfahrungen von Frauen heraus gedacht ist – aus Fürsorge, Mutterschaft, Verletzlichkeit und jener leisen Stärke, die Identität formt. Fragilität wird dabei nicht als Gegenpol von Kraft verstanden, sondern als ihr Ursprung. Latex, das charakteristische Material der Designerin, bleibt zentral und wird zugleich neu interpretiert: Aus flüssigem Latex druckt sie Schicht um Schicht Kleidungsstücke, die vollständig ohne klassische Nähte auskommen und ausschließlich durch Latexverbindungen konstruiert sind, sodass die Kleidungsstücke organisch wachsen und sich an den Körper anpassen. Die Farbpalette setzt sich aus Pastelltönen, Cremeweiß, schwarzen Akzenten und sanften Beigenuancen zusammen. Im Vordergrund steht das Spiel zwischen durch Raffungen entstehendes, skulpturales Volumen und körpernahen Silhouetten. Dekonstruierte Businesswear wird mit nostalgischen Bildwelten aus Disney-Filmen vereint: So entsteht eine Kollektion, die von weiblicher Vielschichtigkeit erzählt.

05.02.2026