Eine Frau ein Stil

Katrin Schlotterhose - CEO von Metropolitan Circus

Du betreibst Deinen Blog seit Januar 2010, was hat sich seither im Modeblogging verändert ?

Gestartet habe ich Metropolitan Circus eigentlich schon viel früher, es muss etwa Mitte 2007 gewesen sein, aber da war es wirklich nur ein zusammengewürfelter Haufen. Während ich an meinen Aufgaben gewachsen bin, hat auch Metropolitan Circus immer mitgezogen. Seit vier Jahren nenne ich es eigentlich nicht mehr Blog, weil sehr Persönliches rausgeflogen ist und die Ansprache sich ein wenig geändert hat. Zudem schreiben externe Redakteure in den Bereichen Mode und Interior, ich habe quasi den strategischen Admin-Posten übernommen.

Bei sehr vielen Blogs ist eine ähnliche Tendenz erkennbar, man merkt, dass die Blogger von früher ihr Baby zum Beruf gemacht haben. Um davon leben zu können, bedarf es eben eine Menge Talente. Disziplin und Durchhaltevermögen ist dabei das Wichtigste. Gerade im  Modesegment kristallisieren sich aber immer mehr interessante Nischen heraus, die unglaublich intensiv und professionell arbeiten. Das ist eine sehr logische Entwicklung. Natürlich verschwinden auch wieder eine Menge Blogs, aber das ist eine natürliche Auslese, wie auch anderswo im Leben.

Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller
Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller

Deine Themen sind Mode und Modern Life, worunter auch Reise-Stories und Designgeschichten fallen. Erzähl' wie es zu diesem Themenmix kam und woher Deine Leidenschaft für Mode rührt.

Früher wollte ich Modedesignerin werden. Die Hochschule hat mich nicht genommen, zu meinem Glück. Ich habe eine lange Umwegsschleife gedreht und unglaublich viel gelernt – menschlich wie auch fachlich. Mode hängt fest an mir dran, genauso wie die Locken. Ich kann nicht sagen, warum mich dieser Zweig so interessiert, ich kann mich nur erinnern, dass ich bereits in der 4. Klasse in irgendeinem Poesiealbum den Berufswunsch Mode äußerte.

Die Themenvielfalt genauso wie die Kategorien setzten sich aus meinem persönlichen Geschmack und einem Abriss des aktuellen Zeitgeists zusammen. Modern, sophisticated und sehr unabhängig. Ich liebe das Gefühl von Freiheit, gerade auf Flughäfen, Häfen und Bahnhöfen – manchmal möchte ich meine Leser schütteln und sagen, macht das auch mal, das ist unglaublich, das wird eurer Leben bereichern und es ist noch nicht mal teuer. Ja, wenn Sachen mich begeistern, finden sie irgendwo einen Platz auf Metropolitan Circus, auch wenn es Männermode ist.

Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller
Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller

Du lebst mittlerweile von Metropolitan Circus. Mit Bloggen Geld zu verdienen ist für viele ein Traum. Wie macht man es richtig?

Auch hier muss ich sagen, es gibt kein Richtig und kein Falsch. Ich versuche mit individuellen Konzepten, mit Marken und Unternehmen zusammenzukommen, nur so kann man authentische Geschichten erzählen. Genau wie in der PR, lebt ein Blog von News und Geschichten. Zudem arbeite ich mit einer internationalen Agentur zusammen und den üblichen Affiliates.

Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller
Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller

Was findest Du echt sch*** an der Branche? Und was super?

Ich rege mich ehrlich gesagt schon lange nicht mehr auf. Klar gibt es manchmal unangenehme Anfragen, die werden ignoriert! Gehirnamputierte Agenturen und Marken gibt es auch, die landen dann auch einfach im Müll! Ich sehe die Branche recht pragmatisch: Manche Dinge klappen, andere wiederum nicht.

Die Leute, die immer noch nicht kapiert haben, wie einflussreich „gute Blogs“ sein können, sitzen manchmal noch zu oft an den falschen Positionen. Aber diese Tatsche wird stetig bröckeln. Dieser ganze Hype um den Vergleich zwischen Blogger n und Journalisten nervt mich ehrlich gesagt. Jeder, der dabei laut aufheult, fühlt sich auch ein Stück selbst angegriffen. Es ist doch ganz klar, dass eine sechzehnjährige Bloggerin keine Journalistin ist – Punkt. Andere sind es aber!

Was mich wirklich nervt ist, dass viele Blogs und Onlinemagazine, die wirklich innovativ sind, nicht gesehen werden und die traffic-starken Schrottblogs, die jeden Tag nur Grütze produzieren, den Weg geebnet bekommen. Da stellt sich leider die Qualitätsfrage Deutschland.

Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller
Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller

Wenn Du eine Kollektion designen dürftest, wie würde sie aussehen?

Ha, ich habe tatsächlich schon eine visuelle Idee im Kopf. Ich nenne dir einfach ein paar Attribute: modern, leger, strahlend einfarbig. Aber was mir wirklich in den Fingern juckt, ist eine Kollaboration oder Mini-Capsule-Collection. Mir würden da schon ein paar Brands einfallen.

Wenn es kein Metropolitan Circus gäbe, was wäre dann?

Es gab nie einen anderen Plan.

Was ist Deine Soforthilfe-Maßnahme, um bei Stress runterzukommen?

Laufen und Schlafen.

Die meisten Deiner Bilder zeigen Dich und Deine Welt. Wie viel Privatleben hast Du noch?

Ich versuche mich nicht allzu sehr auf diese Bühne zu begeben. Klar zeigen mich einige Bilder, aber ich möchte da in Zukunft stärker mit normalen Menschen und Charakter-Köpfen arbeiten. Mein Privatleben ist recht verschlossen und meine Insel, das soll auch so bleiben.

Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Kiki Albrecht
Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Kiki Albrecht


Reise: Deine Top 3 Ziele und warum?

  • Tel Aviv – ich glaube, das wird die nächste Modestadt, aber ich war noch nie da und möchte gern mitreden.
  • Beirut – alle um mich herum schwärmen von Beirut. Ich will einfach hin!
  • Portland – ich lass' mich sehr gerne von besonderen Menschen inspirieren. Jemand sagte mir vor Kurzem, dass es sehr toll da sein soll – Yoga, Hippies und gesundes Essen. Einfach mal probieren, ne?

Shops: Deine Top 3 und warum?

Essen: Deine Top 3 und warum?

  • Koreanisches Barbecue
  • Japanische Suppen
  • Französischer Käse

Jedes Land hat so unglaubliche Geschmackserlebnisse, schon deshalb sollte man mehr reisen. Warum mir gerade diese Auswahl schmeckt, kann ich nicht sagen.

Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller
Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller


Songs : Top 3 für die Badewanne?


Essentials: Top 3

  • Weiße Hemden
  • Schwarze Stiefeletten
  • Armbanduhren

Deine Top 3 Artikel auf Flair?

http://www.flair-magazin.de/reisefood/artikel/city-guide-lissabon.html  --> Reisen, ich wollte mit einer Freundin eine Miniauszeit in Lissabon machen

http://www.flair-magazin.de/interior/workspace.html
--> weil man ja immer so viel arbeitet, muss das Arbeitsumfeld auch schön sein.

http://www.flair-magazin.de/fashion/eine-frau-ein-stil.html --> die Rubrik finde ich toll.

Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller
Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller

Was ist Dein Ziel für 2014?

  • Klarer Verstand
  • Leichtigkeit
  • Sehnsüchte leben

Good-Vibe-Spruch?

Nicht festhalten, loslassen!

Katrin Schlotterhose ist CEO und Chefredakteurin des Onlinemagazins Metropolitan Circus und berät gerade das brands4friends-Magazin kreativ und strategisch – und nicht nur das. Die umtriebige Berlinerin erzählt im Interview von ihrem Kosmos und warum man als Journalistin heutzutage auch ein bisschen Tekki sein muss ...

Interview: Nicolette Scharpenberg. Fotos: Marlen Müller & Kiki Albrecht

Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller
Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller

Katrin, wir starten mal easy mit den Basics: Wer bist Du und was machst Du, was sind Deine Roots und wie kam es dazu, dass Du das machst, was Du heute machst? (3x „machst“, 4x „Du“, ein Hoch auf die Eloquenz) – hahaha (ich lache laut)

Hi, ich bin Katrin Schlotterhose, ich habe meine Zwanziger damit verbracht, Mode zu studieren – angefangen habe ich mit Bekleidungstechnik und einer Schneiderausbildung. Über BWL bin ich ins Modemanagement geschlittert und jetzt arbeite ich mittlerweile als Creative Consultant und Modejournalistin. Ich leite das Onlinemagazin Metropolitan Circus und schreibe für Corporate Kunden genauso wie für Hochglanzmagazine wie beispielsweise die L'Officiel Holland.

In meiner beruflichen Karriere habe ich aber auch schon PR gemacht, als Stylistin gearbeitet und hungrige Modestudenten unterrichtet. Vielleicht liegt es an meinem Namen, aber es gab in meinem Arbeitsleben nie eine andere Richtung als Mode. Durch die Vielseitigkeit der einzelnen Berufe konnte ich im Laufe der Jahre herausfiltern, wo meine eigentliche Leidenschaft liegt und was ich wirklich gut kann. Und das ist nun mal kreative Ideen zu entwickeln und modische Neuerungen zu finden, egal ob irgendwo unterwegs in der Welt oder ganz simpel im Onlinemarketing von meinem Berliner Schreibtisch aus.

Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Kiki Albrecht
Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Kiki Albrecht

Als wir uns das letzte Mal getroffen haben, hast Du mir erzählt, Du seist mittlerweile mehr Tekki als Modejournalistin. Inwieweit hat sich der Beruf Modejournalist aka Blogger verändert und was muss man mitbringen, wenn man es richtig machen will?

Bei dieser Frage muss man weit ausholen: Ich habe tatsächlich vor gefühlten hundert Jahren als Blogger begonnen, durch Praktika bei diversen Onlinemagazinen habe ich gelernt wie wichtig nicht nur das Konzept eines Blogs ist, sondern wie durchdacht die Usability für den Leser und die Kooperationspartner sein muss. Sprich alles, was im Backend passiert oder überhaupt welche Möglichkeiten dein Blog birgt, musst du auch technisch verstehen und bestenfalls umsetzen können. Tekki ist man dann, wenn man wirklich nur noch in Codes denkt. Das passiert manchmal, aber natürlich bleibt der Content das Ausschlaggebende – also bin ich schon zu 80 Prozent Journalistin.

Der Job hat sich mittlerweile sehr geändert: Man ist Content-Manager, Texter, Fotograf und im besten Fall sein eigenes Model. Niemand macht immer alles richtig, aber das ist ja auch das Schöne. Durch Fehler kommt man zu anderen Interessen und Aufgaben. Die Szenerie des Bloggens ermöglicht auch ein super Umfeld. Durch die unterschiedlichen Menschen, mit denen man ständig zu tun hat, können sich auch neue Arbeitszweige herausbilden.

Die Frage, was man mitbringen muss, kann ich nur so beantworten: Was will man selbst? Welche Ausrichtung verfolgt man mit seinem Blog? Und nein, man kann keine Blogger-Ausbildung machen.

Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller
Kathrin Schlotterhose von Metropolitan Circus. Foto: Marlen Müller
18.02.2014