LOGOMANIA
Das Comeback der Logos macht Mode wieder zum Markenzeichen

Wie modern ist Retro?
So modern, dass es sich aktuell durch sämtliche Kultur-Genres wie ein dicker roter Faden zieht. Kids, die alte Woodstock-Songs besser zu zitieren vermögen, als sie ihre Eltern je zu trällern gewagt hätten. Eine ganze Pop-Szene arbeitet derzeit an der Wiederbelebung der Vergangenheit. Die Filmwelt bedient sich flächendeckend aus alten Archiven. Quotenfänger heimsen mit Serien wie „Babylon Berlin“, „Stranger Things“ oder „Glow“ unvorstellbare Erfolge ein – sie alle sind eine einzige Anspielung auf alte Klassiker, ihre Helden und Zeitzeugen. Science-Fiction ist Vergangenheit! Selbst Kunst und Architektur propagieren den Blick zurück, wenn auch subtiler verpackt als „neuer Historismus“ oder „Retro-Art“. Sogar der Supermarkt von nebenan setzt allerorts auf das Phänomen und bietet ein „Neo-Retro“-Brot ohne Zusatzstoffe an.
Und die Mode: ein einziges Rückwärts- statt Vorwärtsschauen. Zweifelsohne auf allen Ebenen, in allen erdenklichen Stilrichtungen, frei von Konventionen, neu interpretiert, den heutigen Ansprüchen wie „Genderless“ und „Ageless“ angepasst. Retro lässt sich nun mal gut vermarkten. Zwischen den Zeitphänomenen vergangener Nostalgie und aufblühender Virtual Reality nährt sich die Wirtschaft von der Illusion. Die Sehnsucht nach einer Welt, in der Klimawandel, Laktoseintoleranz, Burn-out, künstliche Intelligenz und Extremismus auf einmal goldgelben Ährenfeldern, Film noir, Handwerkskunst und Zeit für Langeweile weichen. Es geht also weniger um das Gefühl, dass nichts Neues kommt, sondern vielmehr darum, den Blick in die Zukunft zu vermeiden.
Viel Spaß beim Entdecken der neuen Vergangenheit mit flair!
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